F R A N Z I S K U S

U N D

D I E  F R E U D E

NATIONALKAPITEL

2003

der

Franziskanischen Gemeinschaft OFS

ÖSTERREICHS

vom 6. bis 8. Juni 2003

in INNSBRUCK

Beiträge:

Franciscans International

Neues Logo

Leprahilfe

Franziskus und die Freude

 

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Tagesordnung

 

Freitag, 6. Juni     14 Uhr: Eintreffen der Teilnehmer

     15 Uhr:    Eröffnung, Begrüßung und Einführung

15:30 Uhr:   Referat von P. Clemens Prieth OFM

Grundthema: „Franziskus und die Freude“

     16 Uhr:    Pause            

16:30 Uhr:   Jubiläumsfeier 25 Jahre Leprahilfe der Franziskanischen Gemeinschaft Österreichs mit Br. Alois Haidvogl

     18 Uhr:    Abendessen

19:30 Uhr:   Eucharistiefeier mit P. Erhard Mayerl OFMCap

 

Samstag, 7. Juni 7:30 Uhr: Morgenlob

   8:00 Uhr: Frühstück

   9:00 Uhr: Statements von P. Matthias OFM über FIÖ

                     Br. Alois Neubauer über die Osteuropahilfe

                     der FGÖ

10.00 Uhr: Pause

10:15 Uhr: FGÖ Bildungsbericht

11:00 Uhr  Gruppengespräch "Franziskus und die Freude"

12:00 Uhr: Mittagessen

14:30 Uhr: Vorstellung der Kandidaten

15:00 Uhr: Wahlkapitel für die Delegierten

17:00 Uhr: Festgottesdienst

18:30 Uhr: Abendessen

20:00 Uhr: Gemütliches Beisammensein

 

Sonntag, 8. Juni 7:30 Uhr: Laudes

                              8:00 Uhr: Eucharistiefeier mit Nat. Ass P. Clemens

                                                Prieth OFM

   8:30 Uhr: Frühstück

 9:30 Uhr: Visionen des neuen Nationalvorstandes

anschließend Pause

11:00 Uhr: CIOFS Botschaft

 12:00 Uhr: Mittagessen

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Und alles, was in dieser trügerischen und verwirrenden Welt

ihre blinden Liebhaber verstrickt, schiebe völlig beiseite und

liebe ganz den, der sich Dir ganz hingibt, damit du ihn liebst,

ihn,

         dessen Schönheit Sonne und Mond bewundern,

         dessen Geschenke, dessen Köstlichkeit

         und dessen Größe kein Ende nehmen (Ps 144,3)

ihn,

         den Sohn des Allerhöchsten

         den die Jungfrau gebar

         nach dessen Geburt sie Jungfrau blieb. (3 A 15-18) 

hl. Klara

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LIEBE SCHWESTERN UND BRÜDER!

Freude ist stets ein Zeichen, dass wir dem Licht nahe sind. Mit diesen Worten von Edith Stein möchte ich euch zum Nationalkapitel 2003 in Innsbruck im Haus Marillac recht herzlich begrüßen. Es ist ein Fest der Begegnung. Bevor es aber zu einer Begegnung kommen kann, muss oft ein weiter Weg zurückgelegt werden. Dies gilt nicht nur für den zwischenmenschlichen Bereich, sondern auch für den Umgang mit Gott. Franziskus Freude hieß Gott, hieß die Liebe Gottes. Sie erfüllte sein ganzes Sein. Er hatte die Quelle einer tiefen Freude gefunden, aus der er in einem Maße schöpfte, dass er zum “Bruder Immerfroh“ wurde, den auch im Leid die die Freude nicht verließ. So schenkte Franziskus alles den Armen, was nur immer ihm möglich war. Nur einen frohen Geber liebt Gott (2 Kor 9,7). Wir dürfen heuer das 25 jährige Jubiläum “Leprahilfe“ der EGO feiern. Auch zwölf Jahre “Hilfe Osteuropa“. Ein großer Dank gilt Bruder Alois Haidvogl für die Verantwortung der “Leprahilfe“ und Bruder Alois Neubauer für die “Hilfe Osteuropa“. Sie setzen sich großartig für die hilfsbedürftigen Schwestern und Brüder in Asien, Afrika, Lateinamerika und Rumänien ein. Ein herzliches Vergelt‘s Gott den Aloisen und ihren Mitarbeitern und allen die frohen Herzens ihre Spende den Armen beider Hilfsprojekte gegeben haben. “Die Freude des Herrn ist eure Stärke“ (Neh 8,10) und das Vertrauen, dass er das Wenige, das wir einsetzen, groß und vielgestaltig machen kann und das Gottes Geist über uns kommen möge, das wünsche ich euch von ganzem Herzen. 

Eure Christine Wuchse, Nationalvorsteherin

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Sei gepriesen,

weil du mich erschaffen hast

                                              

                               hl. Klara v. Assisi

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FRANCISCANS INTERNATIONAL ÖSTERREICH

Br. Matthias berichtet von Franciscans International Österreich.

Br. Matthias Huber OFM, ist Franziskaner und Priester in Innsbruck. Weiters ist Br. Matthias Seelsorger für behinderte Menschen im Serafischen Liebeswerk der Kapuziner und Fastenleiter für Gesunde.

Seine Tätigkeit für Franciscans International Österreich übt Br. Matthias seit dem Jahre 2000 aus. Jede Nation in Europa hat einen Koordinator für die Zusammenarbeit mit Büro in Genf (Schweiz).

Br. Matthias betonte besonders das „unser“ nicht nur OFM sondern zum ersten Mal in der Geschichte ist die Franziskanische Familie vereint in einem gemeinsamen Projekt bei den Vereinten Nationen in Genf und New York.

Die Konferenz der Franziskanischen Familie (CFF) beauftragt zu diesem Dienst.

 

Br. Matthias:

“FI schafft Verbindung zwischen Menschen von der Basis, unseren Strukturen und Politikern bei den Vereinten Nationen.

Genauso wie Franz von Assisi in seinem "Brief an die Lenker der Völker" die Regierenden seiner Zeit drängte, ermutigen wir Politiker und Entscheidungsträger, auf die Bedürfnisse ihrer Völker einzugehen.

FI will, den Anliegen der Armen, Unterdrückten und Machtlosen in der Welt bei den Vereinten Nationen eine Stimme verleihen. Dies geschieht durch die Recherche und das Eintreten für die Anliegen unserer Schwestern und Brüder, die weltweit mit armen und ausgegrenzten Menschen arbeiten“.

Br. Matthias dankte der Franziskanischen Gemeinschaft Österreich dass er zu Pfingsten 2003 über Franciscans International   zum Wahlkapitel sprechen durfte und dankte jenen Regionen und FG-Gruppen in Österreich, die durch ihren finanziellen Beitrag diese wertvolle Arbeit bereits unterstützen, damit sie fortgesetzt werden könne.


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Gelobt seiest Du, Herr,
durch die, so vergeben um Deiner Liebe
willen Pein und Trübsal geduldig tragen.
Selig, die's überwinden im Frieden:
Du, Höchster, wirst sie belohnen.
 

 

 

Giotto (1266 ? - 1337): Franziskus Ordensregeln werden vom Papst bestätigt. Fresko in der Oberen Basilika in Assisi, vor 1300

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LOGO-SINNDEUTUNG des Tau der FGÖ

 

Wir sehen einen Kreis. Er stellt die Welt dar, der nach allen Seiten geöffnet ist, um das LICHT CHRISTI eindringen zu lassen.

Der untere Kreisteil ist als Schale erkennbar, es sagt aus, wir sollen offen sein wie eine SCHALE für das LICHT CHRISTI, es konzentriert sich als EUCHARISTIE.

Darüber steht das TAU als einfaches AMBO dargestellt. Es möchte an den Verkündigungsauftrag des EVANGELIUMS erinnern und zugleich, da es die 4 Teile des Kreises verbindet, durch unser Handeln, friedensstiftend und weltverbindend gesehen werden.

Die grüne Farbe ist die Hoffnung und des Lebens. Die verschiedenen GRÜNTÖNE stellen die Verschiedenheit der Menschen in der "FRANZISKANISCHEN FAMlLIE" dar.

(Die Vielfalt in der Einheit)

                                 v. Christine Wuchse

Das neue Tau-Logo für Österreich wurde zur Abstimmung gebracht und mit großer Begeisterung vom Pfingstkapitel angenommen.

Unsere Nationalvorsteherin Schw. Christine Wuchse hat maßgeblich an der Entstehung des neuen Logo mitgearbeitet. Dafür ein herzliches Vergelt`s Gott.


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SCHWESTERN UND BRÜDER!

Das Motto des Nationalkapitels der Franziskanischen Gemeinschaft 2003 lautet „Franziskus und die Freude“
Schon die Zeitgenossen haben Franziskus den "Bruder Immerfroh" genannt. Worin bestand seine Freude?
Celano schreibt: " Als ihm vom Herrn gezeigt worden war, was er tun solle, ergriff ihn solche Freude, dass er sich vor Jubel nicht mehr beherrschen konnte. Dabei erfasste die Freude bei Franziskus Herz und Leib. Der ganze Mensch wurde zum Ausdruck der Freude. Manchmal hob er auch ein Holz vom Boden auf und legte es über seinen linken Arm, nahm dann einen kleinen, mit Faden gespannten Bogen in seine Rechte und führte entsprechende Bewegungen aus und sang in französischer Sprache vom Herrn".
Das Hohelied der Freude, der Sonnengesang, der alle Freude an der Natur und alle übernatürlichen Freuden ineinander fließen lässt, dichtete Franziskus in San Damiano "als er wegen verschiedenartigen Beschwerden seiner Krankheiten als gewöhnlich ermattet war" und als ihm der Herr "mit Sicherheit und Gewissheit das Erbteil an diesem Reich verheißen hatte". Ein schwerkranker, von Schmerzen gepeinigter, fast erblindeter Mann hat dieses Preislied auf die Geschöpfe und ihren Schöpfer gedichtet.
Als Christen stehen wir in einer Spannung zwischen erhofften Heil und dem gegenwärtigen Leid. Dem Glaubenden ist keine leidlose Existenz verheißen. Der Glaube überspringt und überspielt nicht die negativen Seiten dieser Welt.
Christliche Freude, die aus dem Glauben entspringt, bewirkt, dass alles Leid und alle Traurigkeit auf andere Weise erfahren werden. Freude muss sich nicht immer in Jubel kundtun. Oft ist sie so verhalten, dass man eine andere Bezeichnung vorzieht: Gewissheit oder Zuversicht, oder Friede, der tief unter allen Zweifeln und allem Leid das Dasein als ganzes trägt und bestimmt.
Für den gläubigen Menschen und für Franziskus bedeutet das Erfahren der Freude: Erfahrung der Nähe Gottes. Er erfährt, dass Gott ihn an sich zieht; Gott, der ihm Zuversicht und Sicherheit gibt, der ihn zum ewigen Einssein mit sich bestimmt hat. Das ist die Quelle der Freude bei Franziskus.
Möge diese Freude Euch alle an diesen Pfingsttagen erfüllen, dass wir sie dann weiterschenken können an eine oft so freudlose Welt; das wünscht Euch
Br. Alfred Stephan

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25 JAHRE LEPRAHlLFE DER
FRANZISKANISCHEN GEMEINSCHAFT ÖSTERREICHS

 

1. WAS IST LEPRA (DER AUSSATZ)?
Der Aussatz ist die älteste bekannte Geisel der Menschheit. Erste Nachricht bereits vor 3000 Jahren im 3.Buch Moses. Später dann in den Evangelien. (Jesus heilt Aussätzige.) Nach Europa kam die Krankheit durch die Römer, später dann durch die Kreuzritter. Früher gab es große Vorurteile: Der Aussatz war Schande, Fluch der Hölle, Strafe Gottes, lebender Tod. Daher waren die Aussätzigen rechtlos, verbannt, verstoßen. Einziges Mittel dagegen war die Absonderung, die "Aussetzung".
Es gibt zwei Arten der Lepra: Tuberkuloide Lepra. Sie ist gutartig, heilt oft selbst. Lepramatöse Lepra. Sie ist bösartig, sehr ansteckend. Dazwischen gibt es Mischformen.
Der Aussatz ist weltweit verbreitet, es sind nur Schätzungen möglich. Diese liegen zwischen 2 und 15 Millionen Leprakranke. Wahrscheinlich zwischen 10 und 12 Millionen. Lepra ist eine Krankheit der Armen, daher größte Verbreitung im afrikanischen Busch und in den Elendsgebieten Asiens und Lateinamerikas. Beste Hilfe ist daher die Verminderung der Armut durch ausreichende Ernährung und gesunde Hygiene.

2. UNSERE LEPRAHILFE
Sie geht auf den heiligen Franziskus von Assisi zurück, der den letzten Anstoß zu seiner Umkehr durch die Begegnung mit einem Aussätzigen erhielt. In seinem Testament schrieb er darüber: "Als ich noch in der Welt lebte, war mir der Anblick eines Aussätzigen zuwider. Da führte mich der Herr selbst unter sie und ich übte Barmherzigkeit an ihnen".

So wie sich Franziskus nach dieser Begegnung voll der Aussätzigen annahm, tun dies auch seine Nachfolger. Auch die Franziskanische Gemeinschaft, der frühere Dritte Orden, sorgte immer für die Aussätzigen. Um diese Hilfe zu vergrößern, fasste der Nationalvorstand der FGÖ am 11. Februar 1978 den Beschluss, mit unserer Aussätzigen-Hilfe in die Öffentlichkeit zu gehen. Von Mai bis Juli 1978 lagen zum ersten Mal unsere Spendenerlagscheine in allen österreichischen Postämtern auf.

Der Erfolg ist großartig. 4,65 Millionen Euro (d.s. rund 64 Millionen Schilling) konnten wir in diesen 25 Jahren an die von uns unterstützten Leprastationen überweisen.


3. UNSERE HILFELEISTUNGEN.
Wir haben bisher 20 Leprastationen in elf Ländern in Afrika, Asien und Lateinamerika unterstützt. Das Wichtigste war die medizinische Betreuung und der Lebensunterhalt der Aussätzigen und deren Familien. Daneben haben wir finanziert: Wohnraumbeschaffung, verschiedene Fahrzeuge, Schul- und Berufsausbildung der Kinder, Arbeitsbeschaffung und Aufbau einer Landwirtschaft zur Selbstversorgung und Wiedereingliederung, Wasser- und Elektrische Versorgung, Maismühlen, Krankenhausbau, sanitäre Anlagen, Laboreinrichtungen, Rollstühle und vieles andere. Wie notwendig unsere Hilfe ist und wie dankbar die Leprakranken und ihre Betreuer für diese Hilfe sind, soll ein Auszug aus einem der vielen Dankbriefe zeigen.
So schreibt Sr. Maria-Paula aus dem Lepradorf Nazareti in Ifakara in Tanzania:
„In den Medien wird viel von Hass und Krieg berichtet. Aber die franziskanische Friedensarbeit der FGÖ zusammen mit vielen wohlgesinnten Spendern in Österreich geschieht im Stillen. Was könnten wir hier unter den benachteiligten Aussätzigen tun ohne Eurem selbstlosen Einsatz?
Der Herrgott möge Euch Eure Hilfe reichlich vergelten!“
Br. Alois Haidvogl

ZWÖLF JAHRE OSTEUROPAHILFE
Br. Alois Neubauer berichtete kurz von den Erfolgen und Tätigkeiten der vergangenen Jahre „Osteuropahilfe“.
Br. Alois bedankte sich bei allen Schwestern und Brüdern, die mit Sachspenden sowie Geldspenden in den letzten Jahren der Osteuropahilfe große Hilfe haben angedeihen lassen. Abschließend sagte Br. Alois „ Es kann nie genug gespendet werden, denn Not, Elend und Krankheit sind Geiseln der unvollkommenen Menschheit, die der Erlösung unseres Herrn Jesus Christus bedürfen“.

    Ich freute mich als man mir sagte:
             „Zum Haus des Herrn

                 wollen wir pilgern“.
                                                 Ps 122, 1

 

Franziskus und die FREUDE

Für Franziskus gelten viele Bezeichnungen. Er geht den Weg der evangelischen Armut,
ist ein Apostel des Friedens, bewahrt sich eine kindlich -liebenswerte Art. Aber das, was durch Jahrhunderte hinweg den Heiligen strahlend macht, ist vor allem seine Heiterkeit. Sie wirkt wie die Sonne, wie ein Frühling. Es ist nicht der Humor allein, nicht das fröhliche Naturell, sondern eine strahlende Freude. D.i. der Cantus firmus seines Lebens. unabhängig von Anerkennung oder Spott, von Gesundheit oder Krankheit. Noch als schwer Leidender und als Erblindeter preist er 1 Gott im Sonnengesang für das Licht der Sonne.
Man hat ihm den Titel Seraphicus gegeben. Seraphische Freude zeichnet ihn aus. Das Wort seraphisch kann man übersetzen mit feurig, brennend. Die Liebe Gottes brannte in ihm, war ihm gleichsam eingebrannt in Fleisch und Blut.
 

1. Ursprung der Freude.
Seine Freude entspringt der Quelle Gottes bzw. Jesus Christus. In Portiunkula hört er das Evangelium von der Aussendung der Jünger. Dann klatscht er voll Freude in die Hände: "Das ist, das will ich von Herzen gern tun."
1 Cel. 22: "Der hl. Vater machte sich, von Freude überströmend, eilig an die Ausführung der heilsamen Mahnung." Franziskus verwendet für seine Gotteserfahrungen den Ausdruck DOLCEZZA, der sich im Deutschen kaum wiedergeben läßt: Süßigkeit, Zärtlichkeit, Glückserfahrung.
Das erste Mal kommt der Ausdruck vor nach der ersten mystischen Erfahrung: Franz ist als König der Jugend gekrönt und zieht mit seinen Jugendfreunden nachts durch Assisi, bleibt zurück und ist plötzlich von einem solchen Glücksgefühl erfasst, dass er sich nicht mehr von der Stelle rühren kann. Das zweite Mal in der Begegnung mit dem Aussätzigen, den er küsst. Er schreibt dazu in seinem Testament von der dolcezza:
WAS mir vorher zum Ekel war ist mir zur Süßigkeit für Leib und Seele geworden."
Thomas v. Celano spricht oft von der Begegnung des Heiligen mit Gott, manchmal mitten auf dem Weg. Er nennt sie "Heimsuchungen". Oder er schreibt: "Im Gebet...besprach er sich mit seinem Freunde, spielte er mit seinem Bräutigam." (II,95)
!Bald zieht er durch die Wälder und erfüllt das Gehölz mit Singen und jubeln. Er konnte mit einem Stück Holz und einem Stock das Geigenspiel nachahmen. Noch im Bischofspalast von Assisi ließ er sich von einem Bruder zu seinem und der Palastwache Freude aufspielen, bis Br. Elias ihm erklärte, daß es sich für ihn als Todkranken nicht mehr schicke. Wie ein Trubadur sang er Liebeslieder; nur der Inhalt dieser Lieder ist nicht mehr ein Lob auf schöne Frauen, sondern auf den, der allen Lobes würdig ist: Du bist die Minne, Du bist aller Reichtum zur Genüge! Die drei Gefährten erzählen, dass Franz von Räubern im Wald umstellt wurde: "Wer bist du?" “Ich bin der Herold des großen Königs!“ Sie verprügeln ihn als Wegelagerer und werfen ihn in den Straßengraben voll Schnee, dann gehen sie lachend weiter. Der Geschundene steigt aus dem Graben und geht singend weiter. Er betonte: “Was sind denn Diener Gottes anderes als seine Sänger, deren Aufgabe es ist, die Herzen nach oben zu ziehen und sie mit geistlicher Freude zu erfüllen.“
In der 20. Ermahnung steht: "Selig jener Ordensmann, der nur an den hochheiligen Worten und Werken des Herrn seine Wonne und Freude hat und dadurch die Menschen mit Fröhlichkeit und Freude zur Liebe Gottes führt." Walter Nigg betont, dass für diese Freude des Heiligen nicht sein Naturell ausschlaggebend war, sondern den Bruch mit der früheren Lebensform und der Auslieferung an Gott, in Christus findet er den tiefsten Grund zur Freude. Es ist die Freude dass sich nichts Irdisches mehr zwischen Gott und ihn stellen kann, weil er die Welt hinter sich gelassen hat. Dieses innere Erfüllt sein von Gott drängte ihn, Lieder zu intonieren zur Ehre Gottes.

2. Freude aus Buße und Entsagung
Auch für Franz war es nicht selbstverständlich, heiter zu bleiben. Er kannte schwere Anfechtungen und Traurigkeit, aber er sah sie als teuflische Versuchungen, begab sich in die Stille und Einsamkeit, bis er wieder heiteren Gemüts zu den Brüdern zurückkehren konnte. Er wusste auch, dass es nicht auf Leistung ankam im Gottesreich, nicht auf Paukenschläge des Erfolgs, sondern auf das schlichte Tun im Namen Jesu. Er war sich auch der Unwürdigkeit seiner Berufung bewusst. Aber er fand das Gleichgewicht seiner Seele und die Freude zurück im Gebet. Thomas von Celano schreibt (II, 25): „Das sicherste Mittel gegen tausenderlei Nachstellungen des bösen Feindes ist, wie unser Heiliger zu versichern pflegte, die geistliche Freude. Er sagte nämlich: „Dann hüpft der Teufel am meisten vor Freude, wenn er einem Knecht Gottes die Freude des Geistes entreißen kann. Er trägt Staub bei sich, den er nach Belieben in die kleinen Falten des Gewissens hineinwirft, um die Sauberkeit des Gewissens und die Lauterkeit des Lebens zu beschmutzen. Wenn aber die geistliche Freude die Herzen erfüllt, dann spritzt die Schlange vergebens das tödliche Gift aus. Die bösen Geister können einem Knecht Christi nichts anhaben, wenn sie ihn mit heiliger Fröhlichkeit erfüllt sehen." So schreibt er in der Nb. R.7: “Die Brüder sollen sich als Menschen erweisen, die im Herrn fröhlich sind, heiter und liebenswürdig, wie es sich geziemt.“ Er betont auch, dass die Trauer sich wie Rost ins Herz frisst und dadurch empfänglich macht für irdische Vergnügungen
(II Cel. 125.) Die Buße war ihm ein Weg zur Freude. Die innere Heiterkeit ist für ihn nicht ein leichtes Aufblitzen in geglückten Stunden, sondern ein hart erkämpfter Sieg. Sie verträgt sich mit innerem Leiden und äußerem Schmerz und ist ständig mit ihnen verbunden. Aber die Heiterkeit des Herzens verträgt es nicht, wenn sie aus rein sinnenhaften Befriedigungen wächst.
Franz verschenkt einmal seinen Mantel und findet darin Freude; sie scheint ihm aber selbstgefällig und so demütigt er sich vor den Anwesenden. Letztlich geht es ihm darum, das Schicksal Jesu nachzuahmen. So wie der Herr in der Bergpredigt sagt: "Selig seid Ihr, wenn euch die Menschen hassen... und alles Böse fälschlich nachsagen um meinetwillen; freut euch an jenem Tage und frohlocket, denn euer Lohn im Himmel wird groß sein." (NbR. 16)
So schreibt Franz in NbR. 22,3: “Darum sind alle jene unsere Freunde, die uns ungerechter weise Drangsal und Ängste, Schmach und Unrecht, Schmerzen und Qualen, Marter und Tod antun; und diese müssen wir sehr lieben, weil wir für das, was sie uns antun, das ewige Leben erlangen“.
D.i. der schwierigste Grad der Selbstentäußerung. Aber eben darin vollendet sich der Geist des Herrn und die Brüder finden die innerste Freude im Herrn.
 

3. Freude an der SCHÖPFUNG
Die Naturverbundenheit des Poverello ist ein Ausdruck, dass die Schöpfung Gottes Güte und Weisheit widerstrahlt. So werden Tiere zu seinen Geschwistern. Mit der Zeit nennt er alle Geschöpfe Brüder und Schwestern und lernt mit ihnen zu kommunizieren. Wir tun uns heute schwer, das nachzuvollziehen, weil wir die Unmittelbarkeit zu den Tieren verloren haben und vom Zweck- denken bestimmt sind. Franziskus liebt fast alle Tiere, im besonderen jene, die an Christus erinnern. Die Haubenlerche erinnert ihn an seine Brüder, ihre Kapuze an die Kapuze der Brüder, ihr graues Federkleid an die dürftige Kleidung seiner Brüder. Sie picken am Wegrand Körner aus dem Mist und erheben sich dann zum Lob Gottes in die Lüfte. Die Schafe gemahnen ihn an Christus als das Lamm Gottes. Das Felsgestein erinnert ihn an Christus, den Eckstein. Das Wasser ließ ihn an die Taufe denken, das Holz an das Kreuzesholz. Der Sonnengesang ist nicht so sehr ein Loblied auf die Schöpfung selbst, die er bewunderte, sondern viel mehr auf den Schöpfer, den er preisen wollte. Für den Poverello war die gesamte Schöpfung eine greifbare Bestätigung, dass Gott uns liebend nahe ist. Und er pries Gott dafür, dass seine Schöpfung dem Menschen so nützlich ist. Bruder Sonne erleuchtet den Tag, Bruder Mond die Nacht. Mutter Erde gibt uns tägliche Nahrung und Schwester Wasser trinkt unseren Durst, ist köstlich und keusch. Den Brüdern gebot Franziskus, nur einen Teil des Gärtchens zu gestalten und im übrigen unbebaut zu lassen, damit Blumen und Gräser sich darin frei entfalten können.
Die Schöpfung ist Zeichen der strahlenden Herrlichkeit Gottes. 2 Cel. 165 gibt diese Einstellung eindrucksvoll wieder:
“In jedem Kunstwerk lobte er den Künstler; was er in der geschaffenen Welt fand, führte er zurück auf den Schöpfer. Er frohlockte in allen Werken der Hände des Herrn, und durch das, was sich seinem Auge an Lieblichem bot, schaute er hindurch auf den lebenspendenden Urgrund der Dinge. Er erkannte im Schönen den Schönsten selbst; alles Gute rief ihm zu: „Der uns erschaffen, ist der Beste“. Mit unerhörter Liebe und Hingabe umfasste er alle Dinge, redete zu ihnen vom Herrn und forderte sie auf zu seinem Lobe.“ Freilich kommt im Sonnengesang auch eine andere Haltung zum Ausdruck: Der Heilige ist sich der Unvollendetheit der Erlösung bewusst. Leid und Tod gehören zum jetzigen Leben. So am Anfang: „Kein Mensch ist würdig, dich zu nennen, Und am Ende: „Weh denen, die in schwerer Sünde sterben!“ Aber der Poverello findet auch in Leid und Tod einen Grund zu loben. Er preist Gott auch durch jene, die "Schwachheit ertragen und Mühsal", denn sie werden gekrönt werden. Ja, er lobt Gott auch durch Bruder Tod: "Selig jene, die sich in deinem allerheiligsten Willen finden." Diese LOBPREISUNGEN der Geschöpfe sind von Franziskus verfasst, im Bewusstsein, dass das Paradies verloren ist, dass uns aber die kommende Herrlichkeit geschenkt wird. Der Name Jesus kommt darin nicht vor. Aber von IHM her sieht er alles mit neuen Augen, auch die Welt, das Leid, den Tod.

4. Die VOLLKOMMENE FREUDE.
Davon wird in zweifacher Form berichtet. In den Schriften des hl. Franziskus ist die kürzere Form erhalten. Eine ausführliche Darstellung steht in den Fioretti. Als Grundlage für beide Darstellungen kann die 5. Ermahnung gesehen werden, die überschrieben ist: "Dass niemand sich stolz erhebe, sich vielmehr im Kreuz des Herrn rühme."
Möglicherweise spiegelt sich in der "Vollkommenen Freude" der wachsende Erfolg der franziskanischen Bewegung nach 1220 wieder. 1221 zählt das Mattenkapitel in Assisi mehr als 5000 Brüder, unter ihnen auch eine steigende Zahl von Gelehrten. So der Schriftsteller Thomas von Celano oder der bibelgewandte Cäsar von Speyer oder der hochgelehrte Antonius aus Lissabon. 1225 treten in der Universität Paris mehrere Professoren in den Orden ein und ihnen folgen eine Schar von Studenten. Der Poverello steigert die Erfolgsaussichten seines Ordens. Was seinem Vater im Textilgeschäft gelungen ist, kann auch im Orden möglich sein: Wachstum, Erfolge, übergroße Nachfrage. Ist darin die wahre Freude zu finden? Franziskus diktiert an Br. Leo zunächst negativ: Nicht auf Wunder oder irdische Wissenschaften kommt es an, nicht darauf, dass viele Bischöfe und Wissenschaftler zum Orden stoßen, nicht darauf, dass durch die Predigt der Minderbrüder alle Ungläubigen bekehrt werden. Sondern dann beginnt die vollkommene Freude, wenn man Unrecht und Zurechtweisung, Kälte und Schläge der Mitbrüder (auch des Pförtners von Portiunkula) in Geduld erträgt: "darin ist die wahre Freude und die wahre Tugend und das Heil der Seele." In der kürzeren Fassung steht: "Ich kehre von Perugia zurück, und in tiefer Nacht komme ich hierher, und es ist Winterszeit, schmutzig und so kalt, dass die kalten Wassertropfen am Saum des Habits gefrieren und immer an die Schienbeine schlagen, und das Blut aus diesen Wunden fließt.
Und völlig in Schmutz und Kälte und Eis komme ich zur Pforte, und nachdem ich lange geklopft und gerufen habe, kommt der Bruder und fragt: „Wer ist da?“ Ich antworte: „Bruder Franziskus."
Und er sagt: „ Geh fort. Es ist nicht die schickliche Zeit auszugehen. Du kommst nicht herein.“ Und auf weiteres Drängen antwortet er: „Geh weg! Du bist der nämliche einfältige und ungebildete Mensch. Du kommst auf keinen Fall zu uns. Wir sind so viele und solcher Art, dass wir dich nicht brauchen. Und ich stehe wiederum an der Pforte und sage: „Um der Liebe Gottes willen, nehmt mich auf in dieser Nacht. Und jener antwortet: Das werde ich nicht tun!“... Schluss: „Wenn ich Geduld habe und nicht erregt werde, darin ist die wahre Freude und die wahre, Tugend das Heil der Seele.“
Also: Keine Angst vor der vollkommenen Freude!

5. Freude im Tod
Heiterkeit im Angesicht des Todes. Ist dies möglich? Wer heute in die Gesellschaft hineinhorcht, der erfährt, dass der Tod vielfach verdrängt wird. Wir sind weit entfernt von den Gedanken eines MATTHIAS Claudius, der erklärte, der Tod sei der große Verlierer. Aber dies ist ja die zentrale Botschaft des Christentums! Nur dann kann ich fröhlich bleiben, wenn ich glauben kann, dass der Tod die entscheidende Schwelle zum Glück, zur Seligkeit ist. Nur von daher ist verständlich, dass Franziskus singend in den Tod gehen konnte. Dazu ein paar Zitate aus Thomas von Celano (II 214 -217): "Er erwartete unerschrocken den Triumph, mit verschlungenen Händen umfing er die Krone der Gerechtigkeit. So auf der Erde liegend, seines rauhen Gewandes entblößt, erhob er sein Antlitz wie gewohnt zum Himmel. Ganz in Erwartung der kommenden Herrlichkeit, bedeckte er mit der linken Hand die rechte Seitenwunde, damit man sie nicht sehe. Und er sprach zu den Brüdern: „Ich habe das meine getan, was euer ist, möge euch Christus lehren.“
Alle Brüder waren um ihn versammelt. Er streckte seine Rechte über sie aus, legte sie, beginnend bei seinem Vikar, jedem einzelnen aufs Haupt und sprach: Lebet wohl, ihr meine Söhne alle, in der Furcht des Herrn und verbleibet in ihr allezeit! Und weil Versuchung und Drangsal kommen wird, darum glücklich, die in dem beharren werden, was sie begonnen. Ich aber eile nun zu Gott, dessen Gnade ich euch alle anempfehle. JA "Schließlich lud er alle Geschöpfe zum Lobpreis Gottes ein und durch Worte, die er einstens gedichtet, forderte er sie auf, Gott zu lieben. Ja, sogar den Tod persönlich, allen schrecklich und verhasst, forderte er auf zum Lobpreis. Fröhlich ging er ihm entgegen und lud ihn ein zu Gast: “Sei willkommen, mein Bruder Tod!“
Die Freude und Gelassenheit, in der Franziskus lebte und starb, haben Menschen zu allen Zeiten erfahren. Franziskanischer Geist ist letztlich der Geist Jesu, der Menschen immer wieder inspiriert hat, als Pilger und Fremdling in dieser Welt zu leben und mit Zuversicht…(ja Freude) ihr Leben und die Welt mit Lobgesang zum Himmel zu tragen.

Euer P. Clemens Prieth OFM

 

Heiliger Geist, Ikone von Andrej Rubljow, Moskau

Komm Schöpfer, Heiliger Geist! Durch dich wird die Welt geschaffen.
Schaffe weiter an ihr. Die Welt, die deine schaffende Kraft braucht,
sind wir selbst. Schaffe neu, was du gebildet hast. Verbinde, was zerfällt.
Wecke, was unfruchtbar ist. Gib uns Augen, das Licht zu sehen,
das geschaffene und das ungeschaffene. Gib uns Kraft, Frucht zu bringen und uns zu freuen über deine liebende Nähe zu uns. Das gewähre uns durch Christus, unsern Herrn. Amen.
 

1. Reihe von links nach rechts:  Rita Artmayr, Maria Bösch, Margarethe Jausovec, Wilhelmine Visser-Pelsma (CIOFS)Michael Welleditsch, Ewald Kreuzer, Christine Wuchse, Helga Zachl, Brigitte Preiml, Aloisia Brandstetter,

            P. Clemes Prieth OFM,

2. Reihe von links nach rechts: DI. Brousek Charlotte, Hildegard Koschutnik, Otto Gieger, Birgitt Gutwenger, Reikersdorfer Klara, Waltraud Lerperger, Elisabeth Tiefenthaler, Luise Trojer, Apolonia Trojer, Eduard Tratter, Helmut Assam, Alois Thaler, Alois Neubauer, Amalia Hillebrand, Hildegard Haidvogl, Alois Haidvogl, P. Samy Irudaya, OFMCap(CIOFS),

3. Reihe von  Bildmitte nach rechts: Christine Schleinzer, Margareth Seidner, Ulrike Geiger, Adolf Innerkofler, Karl Kothmayr, Peter Wagner, Maria Kettl, Heinrich Hillebrand.

4. Reihe von links nach rechts: P. Wolfgang Frühwirt OFM, Hilda Tammerle, P. Alfred Stephan OFMCap, Walter Huber, Johann Freudenthaler, Markus Luger, Christian Schwaranzer, Franz Janny, Johann Schleinzer, Franz Weber, Felix Kreuzhuber, P. Erhard Mayerl OFMCap, Klaus Ender.

Ganz im Hintergrund jemand von der Saalbedienung.

Unser Nationalvorstand 2003

 

   v.l.n.r: Br. Michael Welleditsch, P. Alfred Stephan OFMCap,
   Sr. Aloisia Brandstetter, Schw. Christine Wuchse,
P. Clemens Prieth  OFM,  

  Br. Mag. Ewald Kreuzer, Schw. Rita Artmayr, Br. Otto Gieger

 

 

Heiliger Geist

 

KOMM, HEILIGER GEIST,
damit unser Leben
neue Kreise zieht.

KOMM, HEILIGER GEIST,
damit wir mutiger
und geistlicher werden.

KOMM, HEILIGER GEIST
damit wir das Angesicht
der Welt erneuern.

KOMM, HEILIGER GEIST,
damit wir deine Kirche
sind und werden.

KOMM, HEILIGER GEIST
damit wir unsere Berufung
erkennen und ergreifen.

KOMM, HEILIGER GEIST,
damit wir uns freuen an dem,
was du in den Menschen wirkst.

KOMM, HEILIGER GEIST,
damit wir in der Weggemeinschaft
mit dir und miteinander bleiben.

Amen.

 

Paul Weismantel aus: Referat Glaubensvertiefung Mainz (Hg.), Gott unter allen Menschen. Geistliche Impulse für den Alltag, Mainz 2002.